Praxiswissen · Kalkulation

Was kostet ein 3D-Druck? So wird die Kalkulation nachvollziehbar.

Ein fairer Angebotspreis hängt nicht nur am Filamentgewicht. Maschinenzeit, Rüsten, Nachbearbeitung, Ausschussrisiko und Versand können den Stückpreis ebenso prägen. Entscheidend ist, deine Annahmen offenzulegen und regelmäßig mit echten Aufträgen abzugleichen.

Die typischen Kostenbausteine

Material

Verbrauchtes Filament oder Harz, einschließlich realistischer Zuschläge für Stützmaterial, Purge und Verschnitt.

Maschinenzeit

Druckzeit bewertet mit einem Satz, der Strom, Wartung, Abschreibung und gebundene Maschinenkapazität berücksichtigt.

Arbeit & Rüsten

Auftragsprüfung, Vorbereitung, Entfernen von Stützen, Reinigung, Qualitätskontrolle und Verpackung.

Auftragsrisiko

Fehldrucke, Nachdrucke und nicht produktive Nebenzeiten. Verwende nachvollziehbare Erfahrungswerte statt eines pauschalen „Sicherheitsgefühls“.

Ein einfaches, hypothetisches Rechenbeispiel

Das folgende Beispiel ist nur eine Rechenhilfe – kein Marktpreis und nicht die Polyquote-Formel. Ein konkreter Betrieb muss die Sätze mit seinen eigenen Maschinen und Kosten ersetzen.

Material42 g × 0,025 EUR/g1,05 EUR
Maschinenzeit3,5 h × 1,20 EUR/h4,20 EUR
Rüsten & Prüfung0,5 h × 24 EUR/h12,00 EUR
Nachbearbeitung & Verpackungfestgelegte Pauschale2,00 EUR
Zwischensummevor Risiko, Marge, Steuer und Versand19,25 EUR

Die Rechenlogik dahinter

Als Ausgangspunkt kannst du die erwarteten direkten Kosten addieren: Materialmenge × Materialkostensatz, Maschinenstunden × Maschinenstundensatz sowie Rüst-, Prüf-, Nachbearbeitungs- und Verpackungsaufwand. Danach ergänzt du betriebliche Gemeinkosten und Marge. Steuern, Versand, Mindestauftragswerte und eine mögliche Risikoreserve behandelst du entsprechend deinem Betrieb – und weist sie im Angebot verständlich aus.

Das Beispiel oben ergibt 1,05 + 4,20 + 12,00 + 2,00 = 19,25 EUR vor Gemeinkosten, Marge, Steuer, Versand und Risikozuschlag. Die Rechnung zeigt nur, wie die Positionen zusammenwirken; die eingesetzten Sätze sind keine Empfehlung und können je nach Material, Maschine, Auslastung und Arbeitsablauf stark abweichen.

Diese Werte sind illustrative Annahmen und sollten nicht als empfohlenes Preisniveau verstanden werden. Ergänze erst danach deine betriebliche Marge, den Umgang mit Fehldrucken sowie Steuern und Versand entsprechend deinem Geschäftsmodell.

Welche Rolle spielt ein Online-Kalkulator?

Ein Website-Kalkulator kann wiederkehrende Eingaben strukturiert erfassen und eine erste Kostenschätzung aus Modell- und Produktionsdaten ableiten. Er kann aber nicht alle Faktoren kennen: Materialverfügbarkeit, gewünschte Oberfläche, Toleranzen, Liefertermin und individuelle Qualitätsprüfung können eine manuelle Anpassung erfordern.

Polyquote zeigt deshalb eine unverbindliche Kostenschätzung und lässt den Anbieter die Anfrage zuerst prüfen. Erst nach interner Freigabe werden Kund:innenkontakt und Original-CAD freigeschaltet; verbindliches Angebot und Vertrag bleiben beim Betrieb.

So verbesserst du dein Kalkulationsmodell

  1. Miss Materialverbrauch und reale Maschinenzeit für repräsentative Aufträge.
  2. Trenne variable Kosten von Rüst- und Gemeinkosten.
  3. Vergleiche Schätzung und tatsächlichen Aufwand nach abgeschlossenen Aufträgen.
  4. Aktualisiere Material-, Energie- und Maschinenkostensätze, wenn sich deine Kosten ändern.

Mehr dazu: Polyquote für Druckdienstleister · aktuelle Tarife und Abrechnung.